Schon mal was von Anstand gehört?

Manchmal frage ich mich schon, ob wir uns als Gesellschaft nicht gefährden? Weil die Ignoranz und Selbstbeachtung höher wiegt als Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt!

Ich ärgere mich gar nicht mehr, dafür ist mir meine Energie zu schade – lediglich den Kopf kann ich über so viel Dummheit nur noch schütteln…

Vor ein paar Tagen saß ich seit langem Mal wieder in der Straßenbahn auf dem Weg vom Hauptbahnhof nach Hause.

Gefühlte 40 Grad – mit Sonneneinstrahlung noch unerträglicher, saß ich genau am Fenster, neben mir eine Frau mittleren Alters, die ihre Augen nicht von ihrem Smartphone nehmen konnte. Ich versuchte mich auf meine Umgebung zu konzentrieren, da ich blöderweise mein Buch daheim vergessen hatte. Auf einmal fiel mir ein Mann mit Sonnenbrille und einer gelben Binde mit drei schwarzen Punkte auf, der den Türöffner für die Straßenbahn suchte. Ich dachte mir erst, dass bestimmt einer von den umstehenden Menschen ihm gleich helfen und die Tür öffnen würde, doch weit gefehlt. Der Mann schob sich von der einen Tür zur nächsten weiter und versuchte dort den Knopf zu ertasten. Ein junger Mann der direkt an der Tür stand, hat dann irgendwann begriffen, dass es vielleicht angebracht wäre, den Knopf zu drücken!

Anfangs wollte ich aufstehen und dem blinden Mann helfen. Doch um ihn herum waren so viele Menschen, dass es mir nicht in den Sinn kam, dass niemand die Bereitschaft übernehmen würde, dem blinden Mann zu helfen.

Genau in solchen Situationen zweifle ich stark an unserer Gesellschaft und an der gegenseitigen Hilfsbereitschaft. Geht es wirklich immer nur um uns selbst und können wir unseren Blickwinkel nicht erweitern und auch mal handeln. Oder macht sich gar ein beklemmendes Gefühl in uns breit, wenn wir jemanden sehen, der unsere Hilfe zwar bräuchte, wir aber starr in unseren Verhaltensmustern verharren und nicht wissen was zu tun ist? Und wenn es so wäre… würde ich diese Argumentation nicht verstehen. Es ist mir nicht schlüssig, wie man nicht mal ein Fünkchen Menschenverstand besitzen kann und den Mut beweist über seinen Schatten zu springen und zu sagen: Ich helfe jetzt! Die meisten tun so als ob sie nichts gesehen haben und schließen die Augen vor der Realität. Dann gibt es aber auch diejenigen, die einfach nur dastehen und glotzen.

Natürlich frage ich mich selbst, ob ich nicht falsch gehandelt habe, dass ich einfach sitzen geblieben bin, aber letztendlich waren so viele Leute in unmittelbarer Nähe, die auch hätten helfen können.

Als ob es körperlich oder psychisch anstrengendes wäre, einfach mal in Aktion zu treten und kurz seine Unterstützung anzubieten. Stattdessen sitzen oder stehen die Leute da und glotzen einfach nur. Am meisten ärgere ich mich genau über die, die total verzweifelt jede Bewegung des Hilfsbedürftigen beäugen, aber keinerlei Anstalten machen, sich auch nur zu bewegen. Solche Menschen sind zu bemitleiden. Diese Einstellung, diese übertriebene ignorante Gesellschaft kotzt mich an! Armes Deutschland!

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