Dat is mijn mooiste deur!

Godemorgen. Pettig met u kennis te maken!

Guten Morgen. Es freut mich Sie kennenzulernen!

20160123_153850Niederländisch ist tatsächlich gar nicht so einfach – und auch kein Abschlag der deutschen Sprache!

Ein süßer Mix aus Englisch, Deutsch und Französisch macht die Niederländer so sympatisch und zu einem liebenswerten kleinen Land, dass nicht nur den besten Käse, Holzschuhe und Windmühlen vorzuweisen hat.

Das Vorurteil, dass viele Touristen die niederländischen Städte besuchen, nur um dort legal Gras rauchen zu können, hält sich in Grenzen! Viel mehr ist es die hilfsbereite und ruhige Art der Menschen, die jedes Städtchen zu etwas Besonderem werden lassen.

Genau deshalb ist meine schönste Tür (Übersetzung für die Überschrift), die Tür zu den Niederlanden.

Ein halbes Jahr habe ich im bezaubernden Groningen studiert. Eine Stadt, die ausschließlich von den Studenten lebt und das spürt man! Hoch oben im Norden, etwas abgeschottet von der Randstad der Niederlande, ist Groningen mit ca. 200.000 Einwohnern der Mittelpunkt der Region.

Bars und Clubs reihen sich aneinander und spätestens bei den „Drie Gezusters“, Europas größte Kneipe muss man eine kurze Pause einlegen! Drei kleine schiefe Häuschen, relativ unauffällig am Grote Markt platziert, erwachen abends zum Leben und versprühen das atemberaubende Flair von Groningen. Geteilt in ein Labyrinth aus verschiedenen Ebenen und Etagen mit Hip Hop, niederländischer Volksmusik oder R´n´B – für jeden ist etwas dabei. 🙂

20150927_133939Mit dem Essen haben es die Niederländer nicht so – wobei das ja natürlich Geschmacksache ist. Ich persönlich, fand es ziemlich inspirierend und doch habe ich mich auf das gute deutsche Brot gefreut. Foodwalls, die in der Wand wie Zigarettenautomaten angebracht sind, verfügen über ein vielfältiges Angebot an Frikandel, Kaassouffle oder Burgern. Recht gewöhnungsbedürftig aber ein Bombengeschäft, vor allem nachdem man feiern war, lockt es den ein oder anderen vor den Essensautomaten!

Falls ich jetzt in euch die Lust geweckt habe, die Niederlande von einer anderen Seite kennenzulernen und nicht nur das touristisch überlaufene Amsterdam zu besuchen, dann klickt euch durch mein Tagebuch! https://www.fhws.de/international/hochschulservice_internationales/fhws_europatagebuch.html

Knaufige Grüße von eurer Johanna 🙂

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Hallo ich bin Dixi!

20160530_111319Steckbrief

Name:   Dixi
Alter: 43 Jahre

Eltern: Adco Konzern
Geschwister: Klohäuschen Toi toi

Bestandteil: Polyethylen

Anzahl: 165.000 (80.000 in Deutschland)
Wohnhaft in: 31 Ländern

Rubrik:   Sanitärsysteme
Status: Weltmarktführer

 

Hallo ich bin Dixi!

Bestimmt habt ihr schon von mir Gebrauch gemacht!! Kaum zu übersehen mit meinem frischen blauen Style, für den ich schon immer ein Faible habe. Wirkt einfach frischer ;).

Momentan stehe ich in der Blüte meines Lebens – mit meinen hygienischen 43 Jahren. Spätestens als Papst Johannes Paul der zweite auf seiner Reise in Deutschland viele meiner Geschwister hat aufstellen lassen, bin ich eine kleine Berühmtheit geworden. Meiner Karriere hat das nicht geschadet. Im Gegenteil – seitdem bin ich auf der ganzen Welt bekannt und in 31 Ländern zu Hause.

Ob auf einem Festivalgelände, Baustellen oder Übungsplätzen – überall werde ich gebraucht und oft ganz schön dringend. Man kann mich mieten oder kaufen! Selbstverständlich auch in anderen Größen, abhängig davon, um welches Event es sich gerade handelt. Am besten schaut ihr einfach mal auf meine Seite http://www.toitoidixi.de/de/ und lasst euch inspirieren.

Ich hoffe doch, dass wir uns bei deiner nächsten Grillparty oder dem nächsten großen Festival mal über den Weg laufen.

Dein Dixi

Die weite Welt mit dem Meer vor der Tür

Fulltime-Job, feste Wohnung, „sesshaft“ werden? Paula war das zu viel. Die weite Welt da draußen sehen, neue Menschen treffen und vielleicht ein wenig Inspiration finden – das alles hat sie bis nach Irland geführt. Und jetzt wohnt sie in einem Haus hinter einer lila-gelben Tür mit dem Meer gleich neben dran.

IMG_20160427_104615Auf der letzten Etappe meines Irland-Trips sind Donal und ich nach seinem Seminar zu Gewaltfreier Kommunikation mit dem Bus durch die grüne irische Landschaft in seine Heimatstadt Galway getuckert. In der Küche seines Hauses habe ich zwischen Teetrinken und Essen kochen Paula getroffen und bin sofort mit ihr ins Quatschen gekommen.

Paula kommt ursprünglich aus Santander in Nordspanien und hat dort Kunst studiert. Danach hat sie einen Master für Lehramt gemacht. Das ist dort ganz anders als in Deutschland: Hier entscheidet man sich ja gleich zu Studienbeginn für den Lehrerberuf und ist dann ziemlich festgelegt.

Festgelegt möchte Paula sowieso nicht sein: „Nach meinem Studium habe ich eine Zeit lang als Lehrassistentin an einer Schule gearbeitet. Als es dann so weit war, mir einen anderen, festen Lehrerjob zu suchen, eine Wohnung, alles, dachte ich – ich muss raus. Menschen kennen lernen, mehr von der Welt sehen.“ Nach ein paar Reisemonaten ist sie letztes Jahr mit ihrem Freund nach Irland gezogen und macht hier einen Englischkurs an einer Sprachschule. „Um damals meinen Master überhaupt antreten zu können, musste ich Englischkenntnisse nachweisen – obwohl ich ja in meinem Alltag als Kunstlehrerin damit gar nichts zu tun habe! Und jetzt bin ich hier, um mein Englisch zu verbessern und später damit in Spanien bessere Jobchancen zu haben“, erklärt Paula.

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In ihrer freien Zeit arbeitet sie an einem eigenen Projekt: Sie möchte ein Kinderbuch schreiben und zeichnen. Sie hat schon einmal so ein Buch herausgebracht: ein Freund hat eine Kindergeschichte geschrieben und sie gefragt, ob sie die Illustrationen zeichnen wollte. Das Buch sieht richtig toll aus! Ihr könnt es hier bewundern. Jetzt möchte sie alles selbst machen: Text und Bilder.

Und was macht ihr dabei mehr Spaß? „Ich mag beides! Ich muss mich doch nicht entscheiden, oder?“, meint sie lachend. Auch bei der Frage „Spanien oder Irland?“, will sie sich nicht entscheiden: „Es ist schön hier zu wohnen, die Menschen sind nett und zuvorkommend. Sie ähneln den Leuten aus Nordspanien eigentlich ziemlich.“ Aber sind da die Leute nicht viel besser gelaunt wegen der spanischen Sonne?! Paula schmunzelt und meint: „Naja, der Winter in Irland ist echt total verregnet und kalt. Da vermiss ich dann schon meine Heimat! Aber ansonsten ist das Klima sogar recht ähnlich.“

Direkt zurück nach Spanien möchte sie nicht, wenn sie mit ihrem Sprachkurs fertig ist. Lieber reisen: „Du lernst so viel, wenn du unterwegs bist. All die neuen Menschen, Orte, Kulturen. Reisen macht dich erwachsener.“ Wo es hingehen soll, wissen sie und ihr Freund noch nicht. Vielleicht irgendwohin, wo es auch im Winter warm ist.

Knaufige Grüße

 

 

Zwischen Kopf und Bauch

Februar, Sonne, San Francisco. „Hast du Lust, nach Irland zu kommen im April?“, fragt mich mein Mitreisender Donal. Ja, das Leben auf Reisen kann wunderbar sein – frei und spontan sein und neue Dinge kennenlernen. Aber stopp: warum genau soll ich jetzt plötzlich nach Irland gehen?!

Anfang diesen Jahres war ich, Alessandra von eurem Tuerknauf-Team, in den USA unterwegs und bin dabei vielen tollen Menschen – hinter, vor und ganz weit weg von Türen – begegnet. Der Zufall kommt ja immer groß raus auf Reisen: Beim Trampen in Kalifornien habe ich Donal aus Großbritannien getroffen und mit ihm zusammen San Francisco erkundet. Dabei hat er mir erzählt, dass er Trainer für Gewaltfreie Kommunikation ist – und mich prompt zu einem seiner Seminare nach Irland eingeladen.

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Falls ihr noch nichts über Gewaltfreie Kommunikation gehört habt: Gewaltfreie Kommunikation, kurz auch GFK, wird oft auch als „Einfühlsame Kommunikation“ oder „Verbindende Kommunikation“ bezeichnet. Sie soll es Menschen ermöglichen, mit Hilfe von Empathie und Vertrauen ihre Gefühle und Bedürfnisse offen zu kommunizieren und so Beziehungen erfüllender zu gestalten. Begründet wurde dieser Kommunikationsstil von einem Psychologen namens Marshall B. Rosenberg im Rahmen seiner Aktivitäten während der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er.

Für ein Wochenendseminar mal flott nach Irland fliegen, um mehr über diesen Kommunikationsstil zu lernen – lohnt sich das?! Mir hat Donals Art, zu kommunizieren, unglaublich Spaß gemacht. Alles aussprechen, was einen beschäftigt, sehr direkt und sehr ehrlich – und dem Gegenüber ebenso aufmerksam bei dem zuhören, was er sagt. Das hat mich gepackt: Oft entstehen Konflikte, Wut und Streit doch nur dadurch, dass man aneinander vorbei redet, den anderen nicht versteht, sich selbst nicht versteht. Und deshalb bin ich für Donals Seminar tatsächlich nach Irland gegangen – ja, nicht nur dafür, um Tore am Meer zu fotografieren oder schöne Städte zu erkunden! 😉

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Ein Wochenende habe ich hinter der unauffälligen Tür eines kleinen Saals in Cork City verbracht und dort viele offene und sympathische Menschen getroffen, aus den unterschiedlichsten Ecken Großbritanniens, sogar aus Holland. Alle hatten ein Anliegen: mehr darüber zu lernen, wie man die Kommunikation mit Freunden oder Familie verbessern und Konflikte lösen kann, um Beziehungen erfüllender zu gestalten.

Ich denke zurück: Ein guter Freund von mir hatte mich kurz zuvor schon wieder beim Skypen versetzt. Ich habe ihm gesagt, dass ich es richtig mies finde, dass er sich keine Zeit nimmt und ich ihm ja scheinbar nicht wichtig genug bin – unzuverlässig wäre er ja sowieso immer schon gewesen. Er hat abgeblockt, gesagt, das sei noch gar nicht so oft passiert und ich soll mich mal schön an die eigene Nase fassen.

Die Gewaltfreie Kommunikation bezeichnet Aussagen, die Vorwürfe, moralische Bewertungen oder Forderungen beinhalten, als lebensentfremdende Kommunikation. Die treibt den Anderen in die Enge und in einen Verteidigungsmodus, wie es bei mir und meinem Bekannten der Fall war. Ich kann nicht herausfinden, worum es meinem Gegenüber eigentlich geht und werde mir über meine eigenen Gefühle nicht richtig bewusst. So gerät man schnell in eine Sackgasse.

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Im Seminar habe ich gelernt, wie ich solche Situationen in Zukunft vielleicht anders lösen kann. Das Wichtigste für den Kontakt zwischen zwei Menschen sei, sich mit Empathie zu begegnen. Die fängt bei mir selbst an: Ich höre auf meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse und kommuniziere diese ganz offen und ehrlich meinem Gegenüber. Und wird fortgeführt beim anderen: Ich zeige meinem Gegenüber Empathie und höre ihm zu, wenn er von seinen Gefühlen und Bedürfnissen erzählt. Am Schluss steht eine konkrete Bitte, die ich dem Anderen gegenüber äußere.

Okay, ganz schön theoretisch – deshalb haben wir an diesem Wochende den Input im Seminar in Übungen auf Situationen bezogen, die uns beschäftigen – wie in meinem Fall das geplatzte Skyping-Treffen. Damit habe ich die vier Schritte, die die Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation sind, durchgespielt:

  1. Ich beobachte die Situation objektiv: Ich habe mich mehrmals mit meinem Bekannten zum Skypen verabredet, entweder er oder ich haben kurz vorher abgesagt. Das letzte Mal hat er mich versetzt.
  2. Ich werde mir über meine Gefühle klar: Ich habe mich sehr darauf gefreut, mit ihm zu sprechen, und war traurig, als er schon wieder abgesagt hat. Ich habe mich zurückgewiesen gefühlt, und alleine, und habe Angst, dass ich ihm nicht wichtig genug bin.
  3. Daraus leite ich meine Bedürfnisse ab: Ich habe ein Bedürfnis nach Kontakt, Sicherheit, Vertrauen und Spaß.
  4. Und formuliere zuletzte eine Bitte – z.B. „Kannst du mir sagen, ob du wirklich mit mir skypen möchtest?“

Umgekehrt höre ich danach meinem Gegenüber zu und versuche, diese vier Informationen aus seinem Gesagten herauszufiltern – selbst, wenn er sich mir nicht bewusst im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation mitteilt. Alles basiert also auf Empathie – Selbstempathie und Empathie dem Anderen gegenüber. So kann man mehr Nähe und Vertrauen in der Beziehung mit anderen erzeugen und Konflikte vielleicht friedvoller lösen.

Das haben wir in dem Seminar erarbeitet und trainiert – richtig viel auf einmal. Ich fand das Wochenende sehr inspirierend, aber das Ganze von jetzt auf gleich in den Alltag zu übertragen, klappt vermutlich nicht ganz! In ganz kleinen Schritten bei sich selbst anfangen und bewusst zu üben, ist schon mal ein Anfang.

Vielleicht seid ihr ja jetzt auch neugierig geworden: Dann könnt ihr auch mal in ein Buch zu Gewaltfreier Kommunikation von dem Begründer Marshall B. Rosenberg reinlesen, oder einfach mal im Internet stöbern. Deutschlandweit gibt es auch einige Seminare dazu (im Oktober steht zum Beispiel eines von der Industrie- und Handelskammer in Würzburg dazu an), die sind aber oft recht teuer (zwischen 80 und 150€). Oder schreibt uns einfach an – wir stellen auch gerne einen Kontakt nach Irland zu Donal her! 🙂

Knaufige Grüße

 

 

Knaufinterview – Irland Vol. 02

Tadaa, heute geht es weiter: Alessandra öffnet mit euch heute eine Tür zum zweiten Mal – was gibt es dieses Mal Spannendes dahinter zu entdecken?

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Erinnert ihr euch noch an Allan aus Dublin, der euch schon vergangenen Montag mehr über Irland und seine Landsleute erzählt hat? Falls nicht, könnt ihr das gerne hier nachlesen – aber jetzt geht es auch schon weiter mit dem 2. Teil des Knauf-Interviews! Allan war nicht nur ein super Host für die erste Nacht meines Irland-Trips, sondern stand mir netterweise auch noch für ein Interview zur Verfügung. In diesem Teil geht es um seine Arbeit im Bereich von sustainable development, oder auch nachhaltige Entwicklung. Ganz kurz gesagt bedeutet das ja, Bedürfnisse in der Gegenwart sollen nur so befriedigt werden, dass auch künftige Generationen ihre Bedürfnisse noch erfüllen können. Das betrifft also politisches, wirtschaftliches und ökologisches Handeln, das nachfolgenden Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll.

Lest hier, warum Allan Verständnis für Nachhaltigkeit als so wichtig erachtet und wie er selbst in diesem Bereich tätig ist.

Zur englischen Originalversion dieses Beitrags geht es hier >

Wie würdest du das Konzept der nachhaltigen Entwicklung jemandem beschreiben, der noch nie davon gehört hat?

Mist! Ich bin es gewohnt, damit offene Türen einzurennen. Nachhaltige Entwicklung bedeutet, Wege zu finden, unsere eigenen Bedürfnisse versorgt zu wissen, ohne dabei die Versorgung der Bedürfnisse anderer zu gefährden (wie Existenz, Freiheit, Respekt, Zugehörigkeit, Gesundheit, Liebe und so weiter). Das erfordert eine ganz andere Perspektive des Einzelnen auf die ganze Welt, wie wir miteinander agieren und auch Offenheit für Veränderungen der eigenen Überzeugungen. Leider gibt es gerade sehr viele Menschen, deren Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Wie bist du dem Begriff das erste Mal begegnet?

 Mein Onkel hat das Wort immer benutzt. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich es als Teenager wirklich verstanden habe. Als ich ökonomische Hierarchien und unsere Abhängigkeit davon begriffen habe, hat es mehr Sinn gemacht für mich. Die Bedürfnisse vieler Menschen wurden nicht beachtet, aufgrund überzogener Ansprüche anderer. Nicht, dass ich irgendwem die Schuld geben möchte. Shit happens. Und jetzt haben wir die Möglichkeit, etwas zu ändern. Obwohl ich in den letzten Jahren viel von der Zerstörung unserer Umwelt gehört habe, habe ich die Ausmaße des Ganzen erst begriffen, als ich gesehen habe, was dieser Schaden für die Bedürfnisse vieler Menschen bedeutet.

Warum denkst du ist nachhaltige Entwicklung genau jetzt so bedeutsam?

Wir machen gerade eine Veränderung durch, die so gewaltig ist, dass sie den Kern der Existenz des Menschen bedroht. Ich bin optimistisch und glaube, dass wir das durchstehen können, und vielleicht noch ein paar Tiere retten können, wo wir schon dabei sind. Aber ich habe Angst, dass viele in unserem Jahrhundert leiden und vorzeitig sterben müssen, und ein langfristiger Schaden bis weit in die menschliche Zukunft hinein existieren wird. Es geht darum, auf der ganzen Welt notwendige Fähigkeiten, Wissen, Motivation und Glauben zu schaffen, um wenigstens auf irgendeine Art und Weise eine weiche Landung in diese neue Ära der Veränderung gewährleisten zu können. Aber die Zeit rennt uns davon. Ich lege es jedem nahe, der nie mit Tyrannei in Berührung kommt, nach Syrien zu gehen und dort eine idee davon zu bekommen, wie grausam das Leben sein kann, wenn wir unsere Fehler nicht korrigieren.

In welchem Bereich der nachhaltigen Entwicklung bist du selbst aktiv?

Bis jetzt habe ich in vielen Grassroot Aktivitäten mitgewirkt, Informationen im Netzwerk rund um Nachhaltigkeit weiter verbreitet und hauptsächlich Theorien entwickelt, um die Nachhaltigkeitsbewegung so voran zu bringen, dass mehr Menschen in unserer Gesellschaft sich daran beteiligen können.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Ich bin gerade dabei, ein Projekt in Gang zu bringen, von dem ich glaube, dass es eine Basis für den gesellschaftlichen Erfolg beständiger nachhaltiger Entwicklung sein kann. Das bedeutet, eine Grassroots Basis zu bilden, in der Ressourcen (Zeit und Geld, Arbeit, Rohstoffe, Wissen, Land und so weiter) einfacher geteilt und verbreitet werden können. Jede Gruppe oder Organisation und jeder Einzelner, die Initiative zeigen wollen, können dabei mitwirken, dieses Netzwerk zu organisieren, weiter zu entwickeln und zu stärken. Viele, die in Gruppen, Grassroot Aktivitäen und Nachhaltigkeit aktiv sind, brauchen jedoch mehr Training und Wissen, damit ein solches Netzwerk erfolgreich sein kann. 
Auf lange Frist gesehen glaube ich, dass diese Herangehensweise an nachhaltige Entwicklung zu einer besser entwickelten glokalen Gemeinschaft führen wird –

Was meinst du mit “glokal”?

Eine Mischung aus global und lokal – Ich spreche von lokal organisierten Gemeinschaften, die gleichzeitig weltweit funktionieren. Diese Art von Gemeinschaft soll vernetzter und verständnisvoller sein, und kann so als funktionierendes Vorbild für Gemeinschaften dienen, die belastbarer sind und überall aufgebaut werden können. Leute, die ursprünglich weniger interessiert sind, werden dann nachziehen.

Was denkst du über das Gemeindeleben in Dublin?

Die Menschen sind sehr hilfsbereit. Aber sie gehen nicht gerne Verpflichtungen ein, wie in vielen Städten vermutlich. Menschen in ländlicheren Regionen sind weniger abhängig von individuellem Einkommen und Märkten. Dort blühen Gemeinden. Aber sie wissen nicht viel über Nachhaltigkeit. Ich meine, obwohl Iren aus ländlichen Regionen nicht darauf vertrauen, dass Märkte und politische Prozesse ihre Lebensgrundlage sichern, haben sie vielleicht zu wenig Vertrauen ineinander, als eine Folge der Institutionalisierung politischer und wirtschaftlicher Kräfte.

Was wünschst du dir für das Gemeindeleben in Dublin und ganz Irland?

Dass die Menschen ihre Vollzeitjobs aufgeben, und mehr Anstrengung in das Verständnis kurz- und langfristiger lokaler Bedürfnisse investieren. Dasselbe gilt für jede Gemeine auf der ganzen Welt, meiner Meinung nach.

Welche Fortschritte im Bereich der nachhaltigen Entwicklung wünschst du dir für die Zukunft in Irland?

 Einiges … zum Beispiel ein etabliertes Netzwerk, wo Ideen verbreitet werden können und man lernen kann, wie die Beteiligung der Bevölkerung an nachhaltiger Entwicklung gefördert werden kann und Gemeinden belastbarer gemacht werden können. Oder eine Finanzierung für selbstständige Akteure in dieser Entwicklung, sodass diese all ihre Anstrengungen darauf fokussieren können, solche Lösungen zu entwickeln. Eine akzeptierte alternative Wirtschaftsform, die gegen die Idee eines finanziellen Lebensunterhalts geht, um eine nachhaltige Veränderung hin zu einem ganzheitlicheren Lebensstil zu unterstützen. Außerdem wünsche ich mir, dass sich eine echte Marketingkultur für Nachhaltigkeit entwickelt.

Wow, ganz schön viel Input auf einmal oder? Wenn ihr euch mehr über nachhaltige Entwicklung informieren möchtet, kann ich euch unter anderem folgende Internetseiten ans Herz legen:

Plattform zu nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen und deren 2012 Agenda
https://sustainabledevelopment.un.org/

Infos zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung vom “Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung”
http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/ziele/2030_agenda/index.html

Internetseite des Rats für Nachhaltige Entwicklung
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/

Infoportal für nachhaltige Entwicklung in Irland
http://sustainable.ie/

Infos zum nationalen Nachhaltigkeitsgipfel in Irland 2016
http://www.sustainabilitysummit.ie/

Knaufige Grüße!

 

Oh Irland deine Türen!

Irland hat die schönsten Türen – und die schönsten Männer?! Zwei gewagte Aussagen, die es sich eindeutig zu überprüfen lohnt. Und so hat sich Alessandra von eurem Tuerknaufteam auf den Weg zu der grünen Insel gemacht, um die Geschichte hinter der Geschichte zu finden!

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Vielleicht denkt ihr euch jetzt: Die ist doch nicht ernsthaft für Türen – oder Männer – extra nach Irland geflogen?! So ganz unberechtigt ist eure Ungläubigkeit nicht. Von dem dritten ausschlaggebenden Grund für meinen einwöchigen Irland-Trip erfahrt ihr bald hier in unserem Tuerknauf-Blog mehr! Jetzt aber gleich zu der ersten Knaufgeschichte, die mir an meinem Ankunftsabend in Dublin begegnet ist… Wer das Ganze in Originalton auf Englisch nachlesen möchte, klicke bitte hier ;).

Ein Freund (von dem ihr während meines Reiseberichts noch mehr erfahren werdet) hat uns für die erste Nacht eine Übernachtungsmöglichkeit in Dublin organisiert. Da stand ich nun – müde nach der langen Reise von Würzburg über Frankfurt nach Dublin, mit Riesenrucksack, mitten in der Nacht vor einem Haus, dessen Bewohner ich noch gar nicht kannte. Aber die Tür sah toll aus! Da habe ich als Knaufgeschichten-Suchende natürlich gleich Vertrauen gefasst und wurde darin auch bestätigt.

Allan, unser Host, war super nett und hatte einige interessante Sachen zu erzählen. Wie zum Beispiel, dass er sich für nachhaltige Entwicklung in Dublin und Irland im Allgemeinen einsetzt. Das hat sofort mein Interesse geweckt: Wofür genau steht nachhaltige Entwicklung, in Irland und auch auf der ganzen Welt? Am nächsten Morgen habe ich beim Porridge-Essen die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Allan Fragen über Fragen zu seiner Arbeit und auch zu seinem Heimatland und dem trinklustigen irischen Volk gestellt.

Lest hier Teil 1 von unserem ersten waschechten Knauf-Interview und erfahrt mehr über Allan und seine Meinung zu seiner grünen Heimatinsel!

 Tuerknauf: Jetzt mal unter uns – hast du vorher schon mal Leute bei dir übernachten lassen, die du gar nicht kanntest?

Allan: Ja, klar – kleine Anekdote dazu? Einmal habe ich 10 Inder gehostet. Eigentlich hatten sie mir gesagt, sie seien zu acht. Dann haben sie mich gefragt, ob doch noch einer mehr kommen könnte, obwohl das schon einer über dem Maximum war. Dann kamen zehn Inder bei mir an. Haha!

T: Was ist das Schlimmste und was ist das Beste, was dir als Gastgeber oder oder Übernachtungsgast jemals passiert ist?

A: Nicht furzen zu können. Und ihre Furze riechen zu können.

T: Ooookay…. Was sind für dich typisch irische Eigenschaften?

A: Vorlaut und gleichzeitig absolut widerstandsfähig zu sein. Iren beschweren sich viel, aber kommen auch mit jeder Menge Mist klar. Ach, ich find sie toll. Wir meinen es viel zu ernst mit dem Leben, als dass wir das Leben zu ernst nehmen könnten.

T: Wie fühlt sich das Leben in Irland für dich an?

A: Nachdem ich sehr viel im Ausland unterwegs war – ich hab für ein paar Jahre in China und in Schweden gewohnt und war in beinahe jedem westeuropäischen Land – habe ich bemerkt, dass sich die Atmosphäre hier in Irland ein bisschen europäischer anfühlt und offener. Man kann mit jeder Person hier eine lustige Zeit haben. Es stimmt nicht, dass Leute, die sich treffen und zusammensetzen, keinen Spaß ohne Alkohol haben können. Wir geben uns bloß nicht die Chance, das zu beweisen.

T: Wie unterscheiden sich Iren und die Atmosphäre hier im Land von anderen Ländern, in denen du gelebt hast?

 A: Andere würden uns als sehr konservativ beschreiben. Dafür gibt es hier nicht so viele Regeln wie in anderen Ländern, die das Leben langweiliger machen würden. Abe rich mag die Offenheit, Freiheit und die Infra- und Dienstleistungsstruktur, die man wo anders findet. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Und du musst nicht konservativ sein, um hier überleben zu können.
Letztendlich machen funktionierende öffentliche Dienste, eine gut entwickelte Infrastruktur, etwaige Einrichtungen und Late Night Shopping nicht Freude aus. Freude kannst du in jedem noch so beschissenen Moment finden. Und das ist etwas, was in diesem Land gerade nicht so gut klappt.

T: Was magst du an Dublin, deinen Landsleuten und Irland?

A: Engstirnigkeit hat mich schon immer gleichzeitig begeistert und gestört. Mit geht nicht, und ohne auch nicht. Aber ja, wie ich schon erwähnt hatte, man kann hier immer offene Menschen finden, mit denen man Zeit verbringen kann. Und es ist aufregend zu sehen, dass Irland schon ein wenig offener wird. Wir sind zum Beispiel das erste Land, das einen Bürgerentscheid zu gleichgeschlechtlicher Ehe hatte (Anmerkung von Tuerknauf: Der übrigens letztes Jahr mit einem Ja ausging!)

T: Was hast du eigentlich studiert, und hat das irgendetwas mit Sustainable Development (oder auch: nachhaltiger Entwicklung) zu tun?

A: Ich habe Wirtschaft und Chinesisch studiert, nach ein paar Semestern an einer Kunsthochschule. Ich habe einen Master gemacht in „Ländlicher Entwicklung“, und schreibe meine Masterarbeit erst, wenn ich mich ausreichend mit Nachhaltigkeit beschäftigt habe.

Ihr wollt mehr über das Prinzip der Nachhaltigkeit und Allans Arbeit dazu erfahren? Seid gespannt auf Teil 2 unseres Knauf-Interviews! Kleiner Tipp: Montage und Donnerstage sind schöne Tage für irische Knaufgeschichten …

Knaufige Grüße!

PS: Übrigens – von der These, Iren seien die schönsten Männer der Welt, hat mir Allan gleich an meinem ersten Abend in Irland erzählt. Dazu gibt es tatsächlich eine schlaue Statistik, über die ihr hier mehr lesen könnt: http://bit.ly/21DJ8xt. Ob die These nun bestätigt werden kann oder nicht, davon kann sich jede(r) wohl selbst ein Bild machen! Irische Türen sind aber tatsächlich sehr schön.